Archiv für den Monat September 2012

Europäischer Tarifbericht des WSI: Reallohnverlust droht

In 16 von 27 EU-Staaten drohen in diesem Jahr Reallohnverluste

In der Mehrzahl der EU-Staaten gehen die Reallöhne zurück. Die Konjunkturkrise in Europa dürfte das weiter verschärfen. Das geht aus dem neuen Europäischen Tarifbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung hervor, der in den WSI-Mitteilungen erschienen ist.*

Den Löhnen in Europa droht eine Abwärtsspirale: In 16 von 27 EU-Staaten müssen die Beschäftigten in diesem Jahr mit Reallohnverlusten rechnen. Die Europäische Kommission erwartet daher im EU-Durchschnitt ein Minus von 0,5 Prozent. 2011 waren die Löhne in der Gemeinschaft nach Abzug der Preissteigerung bereits um durchschnittlich 0,9 Prozent zurückgegangen. Besonders drastisch ist die Entwicklung in Südeuropa: Für Griechenland wird in diesem Jahr ein Rückgang des Reallohnniveaus um 7,5 Prozent prognostiziert, Portugals Löhne werden 2012 preisbereinigt um 6,1 Prozent sinken (siehe auch die Länderauswahl in einer Infografik im Böckler Impuls; Link unten). Aber auch in den Niederlanden, Großbritannien oder Dänemark drohen den Beschäftigten zum zweiten Mal in Folge reale Lohnverluste.

Die deutschen Reallöhne entwickeln sich günstiger: Die EU-Kommission rechnet für 2012 mit einem geringfügigen Plus von 0,3 Prozent. Andere Prognosen gehen von gut einem halben Prozent aus. Damit gehört Deutschland zu den wenigen EU-Ländern, deren Beschäftigte seit 2010 zumindest keine Lohnverluste hinnehmen mussten. In der Bundesrepublik dürften die Reallöhne zwischen 2010 und Ende 2012 insgesamt um knapp zwei Prozent zunehmen, hat WSI-Tarifexperte Dr. Thorsten Schulten für den Tarifbericht errechnet. Dagegen sind sie in im gleichen Zeitraum in Griechenland um rund 20 Prozent gesunken, in Portugal um gut zehn Prozent und in Spanien um knapp sechs Prozent. Allerdings konnte mit dem realen Zuwachs in Deutschland bislang nur ein kleiner Teil der Einbußen der 2000er-Jahre ausgeglichen werden: Deutschland ist nach Schultens Berechungen der einzige Staat in Europa, dessen Reallohnniveau zwischen 2001 und 2009 gesunken ist – um 6,3 Prozent.

Der Verteilungsspielraum, der sich aus der Summe von Produktivitäts- und Preisentwicklung ergibt, wird hierzulande in diesem Jahr erstmals seit 2009 wieder ausgeschöpft, so der WSI-Experte. In der EU insgesamt bleibt die Verteilungsbilanz hingegen negativ. Das heißt: Die Lohnquote geht im EU-Durchschnitt weiter zurück, die Umverteilung zugunsten der Kapitaleinkommen setzt sich fort.

Der europaweite Rückgang des Lohnniveaus entspricht nach Schultens Analyse einer bewussten politischen Strategie der EU-Staaten und der Europäischen Kommission. Nach dem langjährigen Vorbild Deutschlands sollten Lohnmoderation und Reallohnverluste zu neuer Wettbewerbsfähigkeit führen und dadurch einen Weg aus der Krise ebnen.

Aussicht auf Erfolg habe diese Strategie aber nicht: „Mit der Unterordnung der Lohnpolitik unter die Wettbewerbspolitik droht eine allgemeine Absenkungsspirale, die die ökonomische Krise und Stagnation in Europa weiter verschärft“, schreibt der Wissenschaftler. Die bestehenden ökonomischen Ungleichgewichte innerhalb Europas könnten nicht allein durch Anpassungen in den Krisen- und Defizitländern abgebaut werden. Das könne nur gelingen, wenn zugleich die Überschussländer „auch mithilfe einer expansiveren Lohnentwicklung die wirtschaftliche Dynamik in Europa“ förderten.

*Thorsten Schulten: Europäischer Tarifbericht des WSI 2011/2012,
in: WSI-Mitteilungen 6/2012.

http://194.245.120.122/Sites/A/Online-Archiv/10513″>Download (pdf)

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SÜDWIND: Bildungs- und Aktionsmaterialien zu Partnerschaften mit China

Mit zwei neuen Materialien, einer Handreichung und einer Power Point Präsentation, hat das Institut SÜDWIND ein umfangreiches Paket von Bildungs- und Aktionsmaterialien zu Partnerschaften mit China fertiggestellt.

Das gesamte Paket besteht aus

– der Broschüre „China in Bewegung. Herausforderungen für deutsch-chinesische Partnerschaften“, 64 Seiten, Siegburg, April 2012,
– der Ausstellung „China in Bewegung. Herausforderungen für deutsch-chinesische Partnerschaften“, 9 Rollups, Verleih: SÜDWIND,
– dem Flyer zur Ausstellung „China in Bewegung. Herausforderungen für deutsch-chinesische Partnerschaften“,
– der Handreichung „Partnerschaften mit China. Handlungsmöglichkeiten für die Zivilgesellschaft“, 8 Seiten, Siegburg, September 2012,
– der Power Point Präsentation „China in Bewegung. Herausforderungen für deutsch-chinesische Partnerschaften“, 38 Folien,
– und dem Film „Bewegung in China. Das Problem der Arbeitsmigration in Fujian“, 20 Min., gemeinsam mit dem Bündnis RLP-Fujian „Keine Partnerschaft ohne Sozialstandards“.

Anliegen der Arbeit von SÜDWIND zu den China-Partnerschaften in Deutschland ist es, die Fragen der nachhaltigen Entwicklung, der sozialen Sicherheit und der Arbeitsbedingungen als Thema in den vielfältigen deutsch-chinesischen Beziehungen zu verankern bzw. zur Sprache zu bringen. Mit der jüngsten Handreichung wie auch mit den zuvor erschienen Materialien will SÜDWIND insbesondere das Engagement zivilgesellschaftlicher Gruppen stärken, ohne das soziale Themen voraussichtlich eine Randerscheinung in den deutsch-chinesischen Beziehungen bleiben werden.

„Die Entwicklung zivilgesellschaftlichen Engagements in China bietet neue Chancen für die Beteiligung zivilgesellschaftlicher Gruppen in Deutschland an den Partnerschaften“, so die SÜDWIND-Mitarbeiterin und Expertin für China-Partnerschaften, Dr. Sabine Ferenschild. „Diese Beteiligung muss allerdings von den Gruppen – zum Teil gegen Widerstände aus Politik und Wirtschaft – eingefordert werden.“

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Verzugszinsen: Krankenkassen dürfen 60 Prozent im Jahr nehmen

Die gesetzlichen Krankenkassen dürfen von Versicherten, die ihre Beiträge nicht rechtzeitig bezahlen, zusätzlich zum Beitrag einen Säumniszuschlag von fünf Prozent pro Monat (!) verlangen. Das meldete der gewerkschaftliche Newsletter mediafon am 30. August.

Bei dem Jahreszins von 60 Prozent handele es sich nicht um Wucher, sondern um ein „sachlich gerechtfertigtes Druckmittel“, meinte das Bundessozialgericht am 29. August.

c4harry fragt: Sozial ./. assozial, das klingt ja nach Orwells Neusprech.

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Hab ich was übersehen?

Ausgerechnet Kaufland wirbt mit großen Lettern für Verantwortung. Mensch und Umwelt seien der Supermarktkette wichtig. Von vielfältigen sozialem Engagement wird da fabuliert.

Solche Worte müssten doch eigentlich mit ihrem faden Beigeschmack im Hals stecken bleiben. Ein paar Wochen vorher wurde enthüllt wie Kaufland mit seinen Mitarbeitern und Lieferanten umgeht. Unmenschlich und pervers. Nein danke!


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