Archiv für den Monat Oktober 2017

Landwirtschaft umbauen

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft schreibt:

Berlin, 18.10.2017.„Zu Recht wird von Union, FDP und Grünen erwartet, dass Landwirtschaft und Ernährung Top-Themen der heute beginnenden Sondierungsgespräche sein werden“, sagt Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und betont: „Verantwortungsvolles Regieren bedeutet, sich den großen Herausforderungen zu stellen und sich für starke ländliche Räume, eine umwelt- und klimafreundliche Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung einzusetzen, die Bauern und Lebensmittelunternehmern Perspektiven gibt und die den Erwartungen der Bürger gerecht wird.“

Um Deutschlands Land- und Lebensmittelwirtschaft zukunftsfähig zu machen ist Folgendes besonders wichtig:

•                  Das Ziel von 20 % Öko-Landbau der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung anzupacken sowie die Zukunftsstrategie Öko-Landbau (ZöL) umzusetzen und mit den notwendigen Ressourcen auszustatten.

•                  Die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) muss darauf ausgerichtet werden, dass öffentliche Gelder für öffentliche Leistungen verwendet werden. Steuergeld sollte künftig dafür verwendet werden, Wasser, Böden und Klima zu schützen, Tiere anständig zu halten und so besonders bäuerlichen Betrieben eine Perspektive zu geben.*

•                  Die Forschung muss auf die Ziele der Nachhaltigkeitsstrategie ausgerichtet werden. Wer morgen 20 % Bio anstrebt, muss bereits heute 20 % der Mittel auf Öko-Forschung verwenden, um damit das Innovationspotential von Bio voll zu erschließen. Aktuell werden lediglich 1,5 % der Agrar-Forschungsmittel für Bio verwendet.

•                  Die Revision der EU-Öko-Verordnung ist so zu gestalten, dass sie Bio voran bringt. Deutschland muss sich dafür einsetzten, dass die vorliegenden Gesetzentwürfe verbessert werden oder dass das bestehende Bio-Recht weiter fortbesteht.

•                  Wirtschaft in den Regionen fördern – bspw. stärkere steuerlicher Unterstützung von Innovationen in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU), indem eine Steuergutschrift auf Investitionen im Bereich Forschung und Entwicklung gewährt wird.

•                  Fairer Handel braucht faire Regeln – deshalb sollte sich Deutschland für ein demokratisches und transparentes Welthandelssystem einsetzen, bei dem internationale Menschen- und Umweltrechtsabkommen sowie sozial-ökologische Standards die Grundlage für Handelsverträge bilden.

•                  Gesunde Ernährung stärken: Der Bund sollte die öffentliche Gemeinschaftsverpflegung als wirksames Instrument für eine gesunde Ernährung nutzen. Dänemark zeigt, wie es geht. So wurde bspw. in Kopenhagen 90 % Bio-Anteil in öffentlichen Küchen erreicht und damit eine nachhaltigere, schmackhaftere und gesünderen Ernährung realisiert.

•                  Umweltschäden verhindern: Das neue Düngerecht muss überarbeitet werden. Während es Schlupflöcher für jene gibt, die das Grundwasser mit Nitrat belasten, gängelt es diejenigen, die für eine saubere Umwelt sorgen. Darüber hinaus muss die Anwendung von Pestiziden und Düngern so begrenzt werden, dass Umweltschäden ausgeschlossen werden.

Dass nachhaltiges und erfolgreiches Wirtschaften in Land- und Lebensmittelwirtschaft kein Hexenwerk ist, zeigen die über 40.000 Bio-Betriebe in Deutschland die einen Umsatz von 10 Mrd. € erlösen. Sie sind wichtige Arbeitgeber, besonders auch auf dem Land, und Pioniere beim Umwelt-, Tier- und Klimaschutz.

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Tierwohl im Kuhstall

Den Kuhstall ins richtige Licht gesetzt
Detlev Grewe-König Ressort Hochschulkommunikation
Fachhochschule Bielefeld

Zwei Forschungsprojekte der FH Bielefeld wollen durch innovative und intelligente LED-Leuchten die Umwelt schonen, das Tierwohl steigern und die Wirtschaftlichkeit der Landwirtschaft verbessern.

Bielefeld (fhb). Über drei Winter testete Daniel Werner von der Fachhochschule (FH) Bielefeld in einem Kuhstall bei Soest unterschiedliches Lichtspektrum, also ob gelbes oder weißes Licht, unterschiedliche Lichtmengen und unterschiedliche Lichtdauer und protokollierte die Auswirkung auf die Kühe. Das Ergebnis ist eine Demoversion für eine LED-Leuchte, die auf die Bedürfnisse der Tiere und der Landwirte abgestimmt ist. „Wir wollten LED-Leuchten entwickeln, die Ressourcen schonen, die Wirtschaftlichkeit verbessern und gleichzeitig das Tierwohl steigern“, so die projektverantwortliche Professorin Dr. Eva Schwenzfeier-Hellkamp vom Forschungsschwerpunkt ITES der FH Bielefeld. Herausgekommen ist ein Prototyp, der nun in einem Anschlussprojekt zur Marktreife gebracht werden soll. „Ich werde analysieren, was die Kunden genau erwarten. Denn es ist ein innovatives Produkt für einen recht konservativen Markt“, erklärt BWL-Professorin Dr. Hildegard Manz-Schumacher, die für die Marktreife zum Projektteam hinzugestoßen ist. Gefördert wird das nun gestartete Projekt I_LED_Milchvieh_II durch die Deutsche Innovationspartnerschaft Agrar mit rund 320.000 Euro.
Im ersten Projekt zeigte sich, dass die Kühe durch das für sie angenehmere Licht länger ruhten und häufiger den Melkroboter aufsuchten. „Beides sind Zeichen eines höheren Wohlbefindens der Tiere und beeinflussen ihre Gesundheit positiv“, erklärt Werner. Denn durch das häufigere Melken würden sich die Euter weniger entzünden. „Zudem wiesen die im Projekt einbezogenen Landwirte auf die verbesserten Arbeitsbedingungen mit den neuen LED-Leuchten hin“, sagt Werner. Neben der Vereinfachung der täglichen Stallarbeit, beispielsweise durch Unterstützung einer optimalen Tierkontrolle, sei eine bestmögliche Beleuchtung gewährleistet und Arbeitsunfälle könnten vermieden werden, so Werner. Zudem würde durch die LED-Technologie in der Nutztierhaltung Energie eingespart und auf umweltschädliche Stoffe, wie beispielsweise Quecksilber, verzichtet. „Die Entsorgung der Leuchten ist damit am Ende unkomplizierter als bei den aktuell eingesetzten Leuchtstofflampen. Darüber hinaus soll durch eine intelligente Beleuchtungsregelung die benötigte Energie weiter verringert werden“, erklärt Schwenzfeier-Hellkamp.
In einem weiteren Projekt wollen die Wissenschaftler der FH Bielefeld ihr bisheriges Wissen in den kommenden drei Jahren auch bei der Entwicklung einer LED-Leuchte für Schweineställe und Melkstände nutzen. „Durch die niedrigere Deckenhöhe werden die Lampen durch Schadgase – Ammoniak im Schweinestall, Reinigungsmittel im Melkstand – stärker angegriffen und fallen häufiger aus“, so Daniel Werner. Gemeinsam mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, dem deutschen Industrieunternehmen Schuch, dem Landwirtschaftszentrum Haus Düsse sowie der Universität Erlangen-Nürnberg, wurde hierfür eine Förderung in Höhe von 490.000 Euro durch die Landwirtschaftliche Rentenbank eingeworben.

Hybrid-Apps als Einfallstor für Angriffe auf Unternehmen

Oliver Küch, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT, teilte am 6. Oktober mit:

Immer mehr Hybrid-Apps im Einsatz – diese bringen Risiken der Webtechnologie auf Unternehmens-Smartphones. Die Experten für mobile Sicherheit des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie SIT zeigen die App-Testlösung „Appicaptor“ und neue Untersuchungsergebnisse zu App-Sicherheit vom 10. bis 12. Oktober auf der it-sa in Nürnberg (Halle 9 Stand 410).

Viele, auch seriöse, mobile Apps haben schwerwiegende Sicherheitslücken in der Programmierung, die Angreifer ausnutzen und somit große Schäden für Unternehmen anrichten können. Besonders anfällig für Angriffe sind Hybrid-Apps, die auf unterschiedlichen mobilen Betriebssystemen laufen. Das ist das Ergebnis des neuen Appicaptor Security Index des Fraunhofer SIT, der sich dieses Jahr besonders auf die Sicherheitsanalyse der Hybrid-Apps konzentriert.
Plattformübergreifende, also Hybrid-Apps, nutzen Webtechnologien wie HTML und JavaScript. Damit importieren sie auch die Sicherheitsnachteile dieser Technologien vom Browser in die Apps – wo sie ungleich gravierendere Schäden für Unternehmen anrichten können, da durch die App-Schnittstellen zum Betriebssystem auch weitere Unternehmensdaten und Sensoren aus dem Smartphone angreifbar werden. „Hybrid-Apps sind aufgrund des fehlenden Integritätsschutzes der Anwendungslogik für den Unternehmenseinsatz besonders kritisch zu sehen“, sagt Dr. Jens Heider, Leiter des Testlabors für mobile Sicherheit am Fraunhofer SIT. Allerdings sind diese Apps bei Entwicklern sehr beliebt, da eine Anwendung nur einmal programmiert werden muss und dann plattformübergreifend läuft, was Zeit und Kosten sparen soll. „Wir haben eine Zunahme an verwundbaren Hybrid-Apps in den unterschiedlichen App-Stores festgestellt“, sagt Jens Heider.
Darüber hinaus wird eine Untersuchung dieser Apps erschwert, da ein Mix aus JavaScript und nativem Code genutzt wird. „Gerade Schwächen von JavaScript-Code werden bei vielen App-Analysen häufig nicht ausreichend berücksichtigt.“, erklärt Jens Heider. Hier haben die Fraunhofer-Forscher ihre Analysemethoden erweitert und so angepasst, dass auch Hybrid-Apps automatisiert untersucht werden können.
Laut dem Appicaptor Security Index ist es zudem auffällig, dass Hybrid-App-Entwickler überwiegend auf die Nutzung bestehender Schutzmaßnahmen in ihren Apps verzichten und Bibliotheken mit bekannten Sicherheitslücken einsetzen – sei es aus Zeitdruck oder Unkenntnis.
Die Fraunhofer-Sicherheitsforscher haben jeweils die 2000 Top-Apps für die mobilen Betriebssysteme Android und iOS automatisiert untersucht. „Smartphone-Nutzer, die Apps mit einer schlechten Sicherheitsqualität nutzen, können über Schwachstellen dieser Apps Opfer von Angriffen Dritter werden, ohne explizite App-Malware installiert zu haben.“, erklärt Jens Heider. Dabei können Angreifer gravierende Schäden anrichten, je nachdem, über welche Berechtigungen die anfällige App verfügt: „Hat eine App etwa Zugriff auf Mikrofon und Dateisystem, kann eine seriöse Nachrichten-App zu einer Wanze umfunktioniert werden“. Unter Android kann ein Angreifer in diesem Fall auch unbemerkt Inhalte wie interne Fotos oder vertrauliche PDF-Dokumente aus dem (externen) Dateisystem auslesen und in einen Cloud-Speicher des Angreifers kopieren. Laut Appicaptor Security Index sind zudem mehr als 70 Prozent der Apps zur Verwaltung von Dokumenten und Dateien nicht sicher genug, um in Unternehmen eingesetzt zu werden. So sind beispielsweise übermittelte oder gespeicherte Daten nicht hinreichend gegen den unbefugten Zugriff durch Dritte geschützt.
Auf der it-sa zeigen die Fraunhofer-Wissenschaftler die App-Testlösung Appicaptor, mit der sie die Apps untersucht haben. Appicaptor scannt automatisch große Mengen von beliebigen iOS- und Android-Apps, untersucht sie auf IT-Sicherheit und Einhaltung von Datenschutzvorgaben und bewertet, ob sie für den Unternehmens- oder Behördeneinsatz geeignet sind oder nicht. Dabei arbeitet Appicaptor wahlweise mit Standardregeln oder gibt Empfehlungen entsprechend den individuellen Sicherheitsvorgaben und -anforderungen. Die Tests können automatisch wöchentlich wiederholt werden, sodass auch Änderungen bei sehr häufig aktualisierten Apps stets berücksichtigt werden können.
Das Fraunhofer SIT zeigt auf der it-sa außerdem Lösungen für mehr IT-Sicherheit in der digitalisierten Industrie sowie die „Volksverschlüsselung“, eine einfache Verschlüsselungshilfe für jedermann.

Weitere Informationen:
http://www.sit.fraunhofer.de/it-sa2017 Fraunhofer SIT-Auftritt auf der it-sa 2017
http://www.sit.fraunhofer.de/securityindex2017 Appicaptor Security Index 2017:
http://www.appicaptor.de mehr Informationen zu Appicaptor