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Schluss mit der Klöckner-Blockade

Agrar und Ernährung: „Zeitenwende braucht aktive Regierung”

Berlin, 15.01.2020. Anlässlich der Internationalen Grünen Woche stellt der Bio-Dachverband Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) die Frage, wie eine Zeitenwende hin zu enkeltauglicher Landwirtschaft und Ernährung gelingt – mit Blick auf Arten- und Klimakrise, Bauern- und Bürgerproteste.

„Eine Zeitenwende braucht aktive Regierungspolitik“, sagt BÖLW-Vorsitzender Felix Prinz zu Löwenstein. „Während sich die Gesellschaft wieder stärker politisiert, passiert in der Großen Koalition das Gegenteil. Zwar erkennt die Bundesregierung Klimakrise oder Artensterben an und benennt auch die richtigen Themen in der Landwirtschaft und Ernährung. Doch wo ist der Plan für den Umbau der EU-Agrarpolitik, so dass die Steuer-Milliarden künftig für Umwelt- und Klima- und Tierschutz investiert werden? Warum fehlen im Klimaschutzgesetz die wirksamsten Maßnahmen für Landwirtschaft und Ernährung? Warum konzentriert sich die Düngeverordnung auch nach 27 Jahren nicht auf die Verursacher der Wasserverschmutzung?“, fragt Löwenstein und ergänzt: „Anstatt wirksame Regeln und einen straffen sowie verbindlichen Zeitplan für den nachhaltigen Umbau aufzustellen, laviert die Bundesregierung herum und schiebt ihre Verantwortung ab.“

Alexander Gerber, BÖLW-Vorstand für Landwirtschaft, kommentiert die aktuelle Zuspitzung im Sektor: „Einerseits verschärfen die Krisen bei Klima, Biodiversität, Wasser und Bodenfruchtbarkeit sich dramatisch und bedrohen auch die Landwirtschaft und ihre Grundlagen. Andererseits sind Bio-Bauern und auch viele konventionelle Kollegen bereits auf dem Weg zu einer enkeltauglichen Landwirtschaft.
Wichtig ist jetzt, dass Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und die Kollegen in Bund, Ländern und der EU den Umbau der gesamten Landwirtschaft ohne weiteren Verzug angehen.“ Denn je länger die drängenden Änderungen hinausgeschoben würden, desto radikaler müssten die notwendigen Maßnahmen sein. „Das führt zu schmerzhaften Brüchen, die wir uns nicht leisten können. Es mussten schon viel zu viele Bauernhöfe ihre Tore für immer schließen“, erklärt Gerber und ergänzt: „Bio zeigt, wie die Landwirtschaft künftig aussehen und wie Transformation ökologisch und ökonomisch gelingen kann.“

Ein Schlüssel zur erfolgreichen Transformation sei die EU-Agrarpolitik (GAP), so der Landwirtschaftsvorstand und gibt zu bedenken. „Die GAP bestimmt mit vielen Milliarden Euro, welche Landwirtschaft sich lohnt. Statt 70 % Pauschalzahlungen nach Fläche müssen wir jetzt dringend 70 % der gesamten EU-Fördermittel investieren, damit die Bäuerinnen und Bauern für ihre Umwelt-, Klima- und Tierschutz-Leistungen honoriert werden können. Denn nur so können sich die Betriebe mehr Leistungen leisten. Und nur so erfährt die GAP Anerkennung durch die Bürgerinnen und Bürger.“

Volker Krause, Inhaber der Bohlsener Mühle und BÖLW-Vorstand für Verarbeitung, sagt: „Wir haben starke Transformatoren in Deutschland, besonders in der Bio-Branche. Öko-Unternehmen entwickeln mit innovativen Verfahren und Produkten neue Märkte für hochwertige und gesunde Rohstoffe wie Einkorn oder Speisesoja, sind faire Partner für die Landwirte und wichtige Arbeitgeber im ländlichen Raum.“

Krause wünscht sich mehr Unterstützung vonseiten der Bundesregierung und der Länder. „Wir erreichen heute schon viel, aber bei den Rahmenbedingungen für Unternehmen vom Hof bis zum Bäcker, von der Mühle bis zum Bio-Laden ist noch viel Luft nach oben. Zunächst einmal müssen die politisch Verantwortlichen Subventionen, die Umwelt, Klima und nachhaltig wirtschaftenden Betrieben schaden, stoppen.

Wichtig ist auch, bei Investitionen auf die richtigen Zielgruppen zu fokussieren: Kleine und mittlere, dezentral aufgestellte Unternehmen sind ökologische, ökonomische und auch soziale Impulsgeber für ihre Regionen. Viele Förderprogramme sind aber auf große Industrieunternehmen zugeschnitten. Ökologisches Engagement wird viel zu wenig in der Wirtschaftsförderung unterstützt. Es ist genau wie in der Landwirtschaft: Mit dem Großteil der Mittel werden Maßnahmen mit ökologisch nachteiliger oder zumindest nicht vorteilhafter Wirkung gefördert und dann soll mit viel zu kleinen ‚Umwelt-Programmen‘ der angerichtete Schaden repariert werden. Das kann nicht funktionieren!“

Elke Röder, BÖLW-Vorstand für Handel, betont: „Immer mehr Menschen unterstützen den Umbau hin zu einer enkeltauglichen Lebensmittelwirtschaft mit ihrem Bio-Einkauf. Teilweise stärken Bürgerinnen und Bürger Öko schon seit Jahrzehnten. Auch Händler, die auf regionale Bio-Waren setzen, unverpackt verkaufen und auskömmliche Preise zahlen, fördern die Transformation. Um dieses Potenzial auszuschöpfen, braucht es eine Regierung, die durch verlässliche Regelsetzung den Umbau konsequent fördert. Wer den Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln durch eine Pestizidabgabe unattraktiver macht, der bringt die Verkaufspreise näher an die ökologische Wahrheit. Wer für fair gelabelte Waren oder für Bio-Produkte den Mehrwertsteuersatz senkt, belohnt enkeltaugliche Kaufentscheidungen. Und wer sich für eine wirksame Fleisch-Kennzeichnung einsetzt, die sich am erfolgreichen Modell der Eierkennzeichnung orientiert, schafft Transparenz und fördert Transformation.“

BÖLW-Vorsitzender zu Löwenstein fordert abschließend: „Politische Rahmenbedingungen entscheiden gerade in der Land- und Lebensmittelwirtschaft maßgeblich darüber, wie geackert, gekennzeichnet oder gehandelt wird, was in unser Brot kommt, was bei unseren Kindern auf dem Kitateller landet und ob Höfe und Regionen aufblühen oder eingehen. Die Bundesregierung und die Länder müssen dringend ihre Regierungsverantwortung wahrnehmen.“

Qualen

Es sind schockierende Bilder von kranken Kühen, die brutal geschlagen oder illegal an Schlachthöfe verkauft werden. Die Kühe sind Teil der zynischen Massentierhaltung in Deutschland: mehr Milch, mehr Fleisch, zu wenig Kontrollen, kaum Strafen. Der BR berichtete im vergangenen Monat in einer vierteiligen, sehr empfehlenswerten Podcast-Serie über die Tierquälerei. 

Blutige Milch (BR)

Widerstand gegen Abschuss von Wölfen

Wolfsrudel vor Abschuss schützen!

Das Bundeskabinett will das Bundesnaturschutzgesetz ändern, um Wölfe nach Übergriffen auf Weidetiere einfacher töten zu können. Dabei geht die Regierung viel zu weit. So würde der Gesetzentwurf ermöglichen, nach und nach ganze Rudel zu schießen, wenn Risse nicht eindeutig zuzuordnen sind. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner fordert gar den präventiven Abschuss von Wolfsrudeln!

Und: Es geht dabei nicht nur um den Wolf. Einige Änderungsvorschläge greifen das Artenschutzrecht an sich an. Auch geschützte Tiere wie Kranich, Eisvogel oder Fischotter könnten dadurch wieder stärker verfolgt werden – ein fatales Signal in Zeiten alarmierender Berichte über den weltweiten Artenschwund! Der BUND wird alles dafür tun, dieses Gesetz zu verhindern.

Wölfe sind durch europäisches Recht eine absolut geschützte Tierart. Die Stimmungsmache der Jägerlobby soll den Weg vorbereiten, dass sich diese schiesswütigen Bastarde austoben können. Ministerin Julia Klöckner, in ihrem Amt völlig inkompetent, spring willig auf jeden Einfluss der Jagd- und Agrarlobby auf. Kein einziges Problem in der Landwirtschaft wird gelöst, immer nur Symbolpolitik und Augenwischerei. Klöckner muss endlich zurücktreten.

35 Jahre Bioland Hessen – und was nun?

Wohin entwickelt sich die hessische Landwirtschaft bis 2030?

Der Bioland Landesverband Hessen lädt zu einer Diskussionsver anstaltung zur Entwicklung der hessischen Landwirtschaft mit den agrarpolitischen Sprechern der Fraktionen im hessischen Landtag ein.

Gemeinsam wollen wir einen konstruktiven Dialog zur Entwicklung der hessischen Landwirtschaft bis 2030 führen.

Folgende Fragen stehen im Mittelpunkt:
· Gibt es den Klimawandel und müssen wir uns daran anpassen?
· Welche Ursachen hat der Artenschwund?
· Welche Rolle wird die Gentechnik in der Zukunft der Landwirtschaft spielen?

· Kann die hessische Landwirtschaft im Weltmarkt bestehen?

Am 27. September von 13 bis 15:30 Uhr
Biolandhof Petra und Eckhard Eisenach
Holzhäuserstr. 8
34225 Baunatal-Guntershausen

Eintritt: frei

Oettinger liegt mal wieder völlig daneben

BÖLW zum EU-Finanzrahmen
Agrarbudget: Mit Investitionen und klaren Umweltzielen Landwirtschaft umbauen

Berlin, 02.05.2018. Den heute von EU-Haushaltskommissar Oettinger vorgestellten mittelfristigen Finanzrahmen der EU (MFR), mit dem die Mittelverteilung von 2021 bis 2027 festgelegt und damit auch der Haushalt für die Gemeinsame Agrarpolitik geregelt wird, kommentiert Jan Plagge, Vorstand für Landwirtschaft des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW):

„Ein passender Tag für die Vorstellung des EU-Budgets: Wir Deutschen haben heute, am Erdüberlastungstag, unsere Ressourcen verbraucht. Politik muss daran etwas ändern – in der Landwirtschaft vor allem durch die Mitgestaltung der EU-Agrarpolitik.

Wir appellieren an Julia Klöckner, sich in Brüssel für eine Beibehaltung des Agrarbudgets einzusetzen und klare Umweltziele einzufordern. Denn der notwendige Umbau der Landwirtschaft braucht mehr Investitionen und nicht weniger. Dabei müssen wir weg von Gießkannen-Subventionen und hin zur gezielten Honorierung für Bauern, die Besonderes für Tierschutz, sauberes Wasser, und Artenvielfalt tun. Europa muss Verantwortung für den notwendigen Umbau der Landwirtschaft übernehmen.“

Hintergrund
Der Agrarbereich bekommt laut EU-Kommissar Oettinger 5 % weniger. Dabei werden Direktzahlungen jedoch nur um 4 Prozent geschmälert, womit zum Beispiel Agrarumweltmaßnahmen überproportional gekürzt würden.

Der BÖLW hat ein Nachhaltigkeitsmodell für die Gestaltung der GAP 2020 erarbeitet. Es baut auf der Position der IFOAM EU Group auf, die im Rahmen eines zweijährigen Diskussionsprozesses zwischen Bauern aus ganz Europa entwickelt wurde. Das gesamte Positionspapier des BÖLW mit dem Nachhaltigkeitsmodell zur GAP 2020 kann hier eingesehen werden: http://www.boelw.de/gap2020

BÖLW-Statement zum Weltgesundheitstag

BÖLW-Statement zum Weltgesundheitstag

Berlin, 06.04.2018. Den diesjährigen Weltgesundheitstag am 7.4. kommentiert Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW):

„Essen ist unser Treibstoff und die Grundlage der Substanz, aus der wir bestehen. Unser ganzer Körper lebt von der Nahrung, die wir tagtäglich essen. Man kann am Weltgesundheitstag deshalb gar nicht anders, als sich mit Ernährung befassen. Und der Art und Weise, wie unser Essen produziert wird.

Gesundheit bedeutet für die Bio-Bewegung mehr als bloße Laborbefunde bei Nahrungsmitteln. Für Bio-Produzenten bedeutet gesund für eine vielfältige, schadstofffreie Umwelt, Gewässer- und Bodenschutz und Artenvielfalt zu sorgen. Denn gesunde Lebensmittel entstehen nicht in einer kranken Umwelt. Gesunde Bio-Lebensmittel entstehen in gesunden Systemen und sind drastisch geringer mit Pestiziden belastet oder enthalten mehr gesundheitsfördernde Stoffe wie etwa Omega-3-Fettsäuren im Fleisch.

Den Ökolandbau auszubauen, wie es Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner vorhat, und die gesamte Land- und Lebensmittelwirtschaft nachhaltig umzubauen, ist Gesundheitsvorsorge und ein Anliegen der gesamten Gesellschaft. Entsprechend muss nicht nur das Landwirtschaftsministerium sondern die gesamte Bundesregierung zusammenwirken, um dieses Ziel zu erreichen.“

Fipronil in Eiern – Wie werden Biogeflügelställe desinfiziert?

In Eiern insbesondere aus den Niederlanden und Belgien wurde das Biozid Fipronil nachgewiesen, auch bei Ware aus ökologischer Erzeugung. Wahrscheinliche Ursache ist ein Desinfektionsmittel.

Hahn_weiss_q-28Welche Mittel sind zur Reinigung von Ökogeflügelställen erlaubt und wie werden Biogeflügelställe normalerweise gereinigt?

Weiterlesen 

https://www.oekolandbau.de/verbraucher/wissen/fragen-und-antworten/biolebensmittel/fipronil-in-eiern-wie-werden-biogefluegelstaelle-desinfiziert/

NRW-Landwirtschaftsministerin Schulze Föcking wegen krimineller Tierhaltung angezeigt

Von Albert Schweitzer Stiftung

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt hat die Bilder aus dem Schweinestall von NRW-Landwirtschaftsministerin Schulze Föcking vom Tierpathologen Prof. Dr. Ueberschär begutachten lassen. Das Gutachten dokumentiert außergewöhnlich schwere Krankheitsverläufe: Zahlreiche Tiere zeigen Verletzungen sowie schwerste Entzündungen, die über Wochen – vielleicht sogar einen Monat – nicht richtig behandelt wurden. Die Verstöße bei der Haltung der Mastschweine sind demnach so erheblich, dass sie als relevante Vergehen gegen das Tierschutzgesetz einzustufen sind. Wegen der Vielzahl und Schwere der aufgezeigten Vergehen handelt es sich aus Sicht der Stiftung eindeutig um eine Straftat im Sinne des Tierschutzgesetzes (§ 17).

Zuvor hatte die Stiftung bereits Strafanzeige gegen die Ministerin gestellt. »Im Fernsehen wurde nur ein Teil der Bilder gezeigt. Das schockierendste Material wurde nicht ausgestrahlt«, sagt Mahi Klosterhalfen, Geschäftsführer der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt. »Aufgrund der Schwere der Verstöße gehen wir davon aus, dass die Staatsanwaltschaft ermitteln und den Fall Schulze Föcking vor Gericht bringen wird. Das Gutachten lassen wir jetzt der Staatsanwaltschaft zukommen.«

Das Gutachten zeichnet ein Bild einer gänzlich unzureichenden Versorgung sowie einer längerfristigen Vernachlässigung der Tiere. So konnten sich schwerste und lebensbedrohliche Infektionen bei den Tieren entwickeln. Zudem waren sie höchstwahrscheinlich langfristig einer hohen und gesundheitsschädigenden Luftbelastung mit Ammoniak und anderen Gasen ausgesetzt, die besonders die Atmungsorgane angreifen. Die Gesundheitsschäden haben bei mehreren Tieren zu schwerstem Leiden mit andauernden starken Schmerzen geführt.

Laut Gutachten besteht der Verdacht, dass die Verantwortlichen die erkrankten und verletzten Tiere letztlich in Sonderbuchten gesammelt haben, um sie ohne nennenswerte medizinische Maßnahmen ihrem Schicksal zu überlassen; möglicherweise um Kosten für eine fachgerechte Tötung zu sparen. Statt einzeln in Krankenbuchten betreut zu werden, waren die verletzten Schweine dort immer wieder Biss-Attacken ihrer Artgenossen ausgesetzt.

Prof. Dr. Ueberschär ist seit über 40 Jahren bei der Beurteilung von Krankheitszuständen mit Tierhygiene, Bestandsbetreuung und Betriebsmanagement befasst; mit Schwerpunkt u. a. auf Schweinen. Aktuell leitet er eine Praxis für Tierpathologie. Anhand des Bildmaterials war ihm eine fachliche Bewertung uneingeschränkt möglich.

 

Vorbeugender Grundwasserschutz durch ökologischen Landbau

Der Nitratbericht 2016 des Umweltbundesministeriums zeigt, dass die Belastung des Grundwassers mit Nitrat nach wie vor problematisch ist. Bundesweit liegt der Nitratgehalt in 28 Prozent der standardmäßig untersuchten Messstellen über dem zulässigen Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser. Damit haben sich die Werte seit 2008 kaum verbessert.

Als Hauptverursacher gilt vor allem die Landwirtschaft. Seit 1995 liegt der jährliche Bilanzüberschuss von Stickstoff auf konventionellen Betrieben bei knapp 100 Kilogramm pro Hektar. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass von diesen Überschüssen mehr als die Hälfte des Stickstoffs ins Grundwasser ausgewaschen werden. Je nach Bodenart, Klima und Niederschlagsmenge können diese Werte regional sogar noch höher ausfallen.

Wasseraufbereitung ist aufwändig und teuer

Für kommunale Wasserversorger ist dieser übermäßige Eintrag ein großes Problem. Denn für jedes Kilogramm Stickstoff, das aus dem Wasser gefiltert werden muss, fallen laut einer wissenschaftlichen Studie Kosten in Höhe von fünf bis 15 Euro an. Ausgehend von dieser Zahl schätzt der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) die Kosten durch übermäßige Nährstoffausbringung bundesweit auf acht bis 25 Milliarden pro Jahr.

Um zu hohe Stickstoffeinträge und die die damit verbundenen Kosten für die Wasseraufbereitung zu vermeiden, sind immer mehr kommunale Versorger bestrebt, die ökologische Bewirtschaftung im Einzugsgebiet ihrer Brunnen auszudehnen. Denn zahlreiche Studien belegen, dass auf ökologisch genutzten Acker- und Grünlandflächen durchschnittlich nur halb so viel Stickstoff ausgewaschen wird wie bei konventioneller Bewirtschaftung. Ein weiterer wesentlicher Vorteil des Ökolandbaus ist der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und ein deutlich geringerer Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung. Beides sind Problemstoffe, die bei der Trinkwasseraufbereitung zusätzliche Probleme bereiten.

Deutlich weniger Nitrat durch ökologische Bewirtschaftung

Welchen Effekt eine ökologische Bewirtschaftung auf die Nitratgehalte im Grundwasser hat, wurde auf den Flächen der Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) wissenschaftlich untersucht. Noch in den 1990er Jahren wurden hier an einzelnen Messpunkten Nitratwerte von über 150 Milligramm pro Liter gemessen. Um eine kostspielige Wasseraufbereitung zu vermeiden, wurden im Jahr 1992 der eigene Betrieb Gut Canitz und in den folgenden Jahren fünf weitere Höfe im zentralen Wasserschutzgebiet auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt. Insgesamt beträgt der Umfang der Ökoflächen heute knapp 2.600 Hektar. Durch diese Maßnahme ging der Nitratgehalt im Rohwasser bis 2004 von durchschnittlich 40 auf 24 Milligramm pro Liter zurück und sind seitdem stabil.

Obwohl im Ökolandbau grundsätzlich mit deutlich geringeren Stickstoffmengen gearbeitet wird, besteht auch hier das Risiko einer erhöhten Auswaschung, etwa bei intensiver Bodenbearbeitung nach Leguminosen im Herbst oder durch die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern. Deshalb haben die Wasserwerke Leipzig für die Biobetriebe weitere Maßnahmen festgelegt, die über die allgemeinen Vorgaben der EU-Ökoverordnung und der Bioverbände hinausgehen. Dazu gehört zum Beispiel eine deutliche Reduzierung des Tierbesatzes oder eine ganzjährige Bodenbedeckung.

Versorger zahlen Ausgleichsprämien

Dafür zahlt die KWL den Landwirtinnen und Landwirten eine zusätzliche Prämie, ergänzend zu den länderspezifischen Ausgleichszahlungen für die Einschränkungen bei der Landnutzung und den damit verbundenen geringeren Erträgen. Solche Ausgleichszahlungen der Versorger sind allerdings nur zulässig, wenn sie mit weiteren Vorgaben verknüpft sind. Andernfalls werden die länderspezifischen Fördersätze gekürzt.

Von diesem Konzept profitieren beide Seiten. Die Biobetriebe können die zusätzlichen Vorgaben der Versorger meist mit vertretbarem Aufwand umsetzen, während die KWL durch den vorbeugenden Grundwasserschutz kein teure Aufbereitung durchführen muss. Die Investitionskosten für weitere Aufbereitungsstufen schätzen die Verantwortlichen auf etwa 14 Millionen Euro. Zusammen mit den Betriebskosten würde das einen Aufschlag von 19 Cent pro Kubikmeter Trinkwasser bedeuten. Dagegen entstehen durch die Ausgleichszahlungen für die Bioetriebe nur Mehrkosten von etwa einen Cent pro Kubikmeter.

Stadtwerke München schaffen größte Ökofläche Deutschlands

Auch die Stadtwerke München haben aus diesem Grund bereits vor über 20 Jahren damit begonnen, den Ökolandbau auf ihren Wasserschutzflächen durch gezielte Ansprache der Landwirtinnen und Landwirte auszuweiten. Im Rahmen des Förderprogramms „Öko-Bauern“ erhalten die Betriebe je nach Schutzgebiet bis zu 350 Euro pro Hektar zusätzlich. Darüber hinaus unterstützen die Stadtwerke die Höfe bei der Vermarktung ihrer Bioprodukte. Die Verträge laufen über 15 Jahre und sind seitens der Betriebe jederzeit kündbar. Die Einhaltung der Auflagen wird ein Mal pro Jahr von unabhängiger Stelle geprüft.

Für die Münchener Stadtwerke ist dieses Konzept ein voller Erfolg. Die Nitratwerte im Münchener Trinkwasser liegen bei nur sechs Milligramm pro Liter. Für das Programm fallen lediglich Mehrkosten von 0,5 Cent pro Kubikmeter Trinkwasser an. Insgesamt bewirtschaften heute etwa 160 Biobetriebe eine Fläche von etwa 3.700 Hektar im Mangfalltal, dem wichtigsten Einzugsgebiet für die Wasserversorgung des Großraums München. Auf diese Weise ist hier eine der größten, zusammenhängenden Ökoflächen Deutschlands entstanden.


Letzte Aktualisierung: 06.03.2017 Quelle: Oekolandbau.de

Kühe mit Hörnern

„Natürlich haben Kühe Hörner“

 Demeter-Höfe zeigen Flagge für horntragende Kühe. Mit den Hornkuh-Weidetafeln will Demeter ein Zeichen gegen die Enthornung und eine Rinderzucht in Richtung genetischer Hornlosigkeit setzen.

Anlässlich der Allgäuer Festwoche präsentierte Demeter-Bäuerin Susanne Schwärzler neue Hornkuh-Weidetafeln. Sie sind Ergebnis einer bayerischen Demeter-Initiative, die das Bewusstsein für die Bedeutung der Hörner stärken will. Als Kuhhorn-Beauftragte von Demeter Bayern unterstützt Susanne Schwärzler den Verband als ehrenamtliche Ansprechpartnerin für Presse und Öffentlichkeit und gibt so den Kühen eine Stimme. Schon seit vielen Jahren setzt sie sich mit ansteckender Leidenschaft dafür ein, dass Kühe ihre Hörner behalten dürfen.
Der Trend geht zur Hornlosigkeit

Hörner werden von Kühen nicht nur als Kommunikationsmittel untereinander genutzt, sie sind ein wesentliches Organ und haben sogar Einfluss auf die Milchqualität. Inzwischen werden über 90 Prozent der Kühe enthornt – eine schmerzhafte Prozedur, die selbst auf Biobetrieben zunehmend zum Standard wird. Außerdem entwickelt sich die Rinderzucht immer mehr in Richtung genetischer Hornlosigkeit – damit droht bereits bei einigen Rassen der unwiederbringliche Verlust der Hörner! Demeter-Bäuerinnen und Bauern dagegen lassen die Kühe ihre Hörner in Würde tragen.

Interessierte können sich direkt informieren

Mit den neuen Weidetafeln können Landwirtinnen und Landwirte direkt am Weidezaun darauf hinweisen, dass sie sich für horntragende Kühe einsetzen. Mit dem Smartphone können Interessierte den QR-Code auf den Schildern scannen und gelangen direkt auf die Website http://www.hornkuh.de.

Die bayerischen Demeter-Bäuerinnen und Bauern sind offen für Verbündete – auch über die Grenzen des Verbands hinweg. Der Demeterverband ist der Meinung, dass sich gemeinsam mit anderen ökologisch wirtschaftenden und konventionellen Landwirtinnen und Landwirten mehr erreichen lässt – im Widerstand gegen das Verschwinden von Hörnern im Stall und auf der Weide. Daher bietet Demeter auch eine „neutrale“ Version der Weidetafel ohne das Demeter-Logo angeboten.

Quelle: Pressemitteilung von Demeter e.V.